Sinn des Lebens

Schloss Türnich, Parkbereich mit einem Stein von Marco Pogacnik, Nov. 2007. Foto: G. Axmann

 

Schon viele Jahre beschäftigt mich die Frage nach dem Sinn des Lebens und immer wieder gibt es Erkenntnisse. Als wir im Nov. 2007 Schloss Türnich besuchten, bin ich in diesem Sache einen guten Schritt weiter gekommen. Dort konnte man sehen, dass einmal geschaffene Energie viel Pflege braucht – gleichgültig ob auf der feinstofflichen oder der materiellen Ebene – und dass solche Gebilde ab einer bestimmten Größenordnung von einem Einzelnen gar nicht mehr gepflegt werden können. Man braucht, um diese aufrecht zu erhalten, entweder viel Geld oder die Unterstützung gleich schwingender Menschen. Man kennt dies in Köln auch vom Kölner Dom, der durch die Abgase ja ständig angegriffen wird und so eine nie enden wollende Baustelle ist. Dabei gilt: je feiner das Gebilde ist, desto wichtiger ist die Auswahl der passenden Mitwirkenden.

Früher hatte ich oft gedacht, es ginge im Leben darum, etwas zu schaffen oder etwas besonderes zu leisten. Mittlerweile jedoch sehe ich ein: es wandelt sich alles so schnell, dass es mehr darum zu gehen scheint, existierende (oder geschaffene) Energien aufrecht zu halten und zu pflegen. Die Vorstellung, dass etwas Geschaffenes dann von sich aus so bliebe, wie es erschaffen wurde, ist eine Illusion. Abgesehen davon wäre ein solches, unveränderliches Gebilde ja tot, da es mit der Umwelt nicht mitschwingt und die Umwelt sich weiterentwickelt.

Je stiller man wird, desto deutlicher merkt man den Wandel und selbständigen Zerfall; und es betrifft nicht nur Dinge, sondern auch Menschen und Beziehungen: Nach spätestens 100 Jahren hat ein Mensch im Normalfall diese Erde wieder verlassen. Dem Netzwerk, in dem er sich befand und das er unterstützte, fehlt dann der kontinuierliche Energiefluss, den er darstellte. Denn die Energie, die ein Mensch verkörpert, ist eine Energie, die praktisch aus sich selbst heraus lebendig fließt, Dinge schafft und Prozesse unterstützt – nur dadurch, dass er existiert.

Da alles von sich aus verfällt oder neu entsteht, scheint der Sinn des Lebens vielmehr darin zu liegen, eine bestimmte, individuelle Energie zu verkörpern und ihr zu erlauben, sich zu verbreiten.

Um so wichtiger scheint es zu sein, die eigene Energie zu pflegen und im Leben bzw. dem eigenem Umfeld den Platz einzunehmen, der einem zur Verfügung steht – mitsamt den eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen. Dazu muss man zuvörderst lernen, sich selbst zu mögen – ohne Anstrengung, ohne Überhöhung – einfach, weil man so ist, wie man ist.

 
© Gordon Axmann – Nachdruck oder Veröffentlichung nur mit schriftlicher Genehmigung