Mensch und Natur bzw. Kultur und Natur scheinen ein Gegensatz zu sein, den ich lange nicht verstehen konnte und der mich viele Jahre beschäftigte. Oft schon habe ich mich der Natur so nahe fühlte und dann gemerkt, dass der menschliche Körper nicht dazu geschaffen ist, ohne Überlebensausrüstung in der Natur zurechtzukommen. Warum ist Mensch und Natur ein Gegensatz? Weshalb ist der Mensch nur innerhalb einer von ihm selbst geschaffenen Kultur überlebensfähig?
Ein Freund von mir ist in jüngeren Jahren nach Sizilien ausgewandert, um dort ohne Einkommen, Besitz und Verpflichtungen einige Jahre zu leben, doch der Versuch ist am Klima gescheitert. Sogar im südlichen Sizilien ist es im Winter so kalt, dass das Leben unangenehm wird und längerfristig sogar die Gesundheit schädigt. In diesem Punkt ist der Mensch (ohne dass Maßnahmen ergriffen werden) von der Natur ausgeschlossen, während Schafe oder Affen nicht nur ein ausreichend wärmendes Fell haben, sondern auch nahrungsmäßig besser integriert zu sein scheinen.
Mensch und Tier sind verschieden, das ist offensichtlich. Warum ist das so? Die Wissenschaft bezieht sich oft darauf, dass dies aufgrund des komplexeren Gehirn des Menschen so sei, während die Philosophie von einer geistigen Überlegenheit und die Religion von einer existenziellen Überlegenheit spricht. Doch dies sind keine echten Erklärungen.
1996 las ich in einem Buch, dass die Seele des Menschen von anderer Beschaffenheit sei als die Tierseele und dass sie andere Ziele verfolge (Welten der Seele. V. Hasselmann, München 1993). Dass der Körper nach den Bedürfnissen der im innewohnenden Seele geformt ist, scheint als Erklärung für die Unterschiede zwischen Mensch und Tier plausibel. Darüber hinaus war zu lesen, dass der Mensch eine besondere Verkörperung der künstlerisch, kreativen Energie sei. Auch dies leuchtet unmittelbar ein, führt man sich die Erfindungen und Entdeckungen des Mensch vor Augen.
Als ich im Frühjahr des Jahres 2007 bei einem Spaziergang auf den Poller Rheinwiesen eine Schafherde weiden sah, kam mir spontan eine Erkenntnis, weshalb der Mensch nicht in der Natur zu Hause ist.
Um auf diesem Planeten überleben zu können, muss der Mensch kreativ sein. Jedoch ist dies kein biologischer Mangel oder eine Fehlkonstruktion, wie es oberflächlich scheinen mag, sondern vielmehr führt gerade dieser Mangel an Integration in die Natur dazu, dass der Mensch gefordert wird, seiner zentralen Bestimmung zu folgen: Die künstlerisch, kreative Energie zu entfalten.
Dies führte dazu, dass sich in einem ersten Schritt Kleidung, Waffen, Viehzucht und Ackerbau entwickelten. Heute ist der Mensch bei Fluggeräten, Computern, Nanotechnik und Gentechnik angelangt.
Dass der Planet Erde die große Anzahl Menschen schlecht verkraftet bzw. der Mensch sich mit den Begrenzungen des Planeten lange Zeit nicht recht beschäftigt hat, ist noch eine ganz andere Sache. Doch auch dies wird neben einem Zuwachs an Verantwortlichkeit dazu führen, dass der Mensch weitere kreative Lösungen finden wird/muss/darf. Ich las einmal, dass es notwendig für den Menschen sei, vom Schädlich zum Nützling zu werden, um seinen Lebensraum nicht zu gefährden. Vermutlich wird ihm auch dort seine Kreativität helfen, vor allem Gentechnik, wahrscheinlich in Kombination mit (neuer) Technik.
Die Bedingungen der Existenz des Menschen sind also so geschaffen, dass gesichert ist, dass der Mensch sich seiner Bestimmung gemäß entfaltet. In oben genannter Buchserie steht noch etwas, was geeignet ist, die hier vorgetragenen Ideen zu vertiefen: Es hätte auf diesem Planeten andere Populationen gegeben, die eine Ausformung anderer Energien waren. Die Dinosaurier z.B. seien eine Verkörperung der kriegerisch, kämpferischen Energie. Und obwohl von den Dinosauriern ja nur noch Knochen übrig sind, hat interessanterweise genau dieser kriegerische Aspekt an den Dinosauriern bis in unsere Zeit überlebt und macht heute das große Faszinosum aus, welches viele Kinder so unmittelbar fesselt. Mit kreativen Prozessen wie Häuserbau oder Kleidungsbeschaffung mussten die Echsen sich nicht auseinandersetzen.
Beide („möglicherweise alle“) Existenzformen sind für sich so geschaffen, dass genau deren Kernenergien unterstützt und zur Entfaltung gebracht werden.
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